Analyse und Gedanken zur Hallenstaatsmeisterschaft& ÖM U18 2026

von Sportdirektor Christian Röhrling

  • Enzo und Karin verteidigen in WM-Form ihre 60m Hürdentitel
  • Thomas Hollegger gewinnt erneut die 3000m im Bahngehen
  • Carina Reicht gewinnt mit überragender steirischer Rekordzeit den 3000m Titel
  • Am Ende waren es 4 Staatsmeistertitel in der Allgemeine Klasse
  • Kein Titel in der U18 Klasse – ATSE Graz rettet die Medaillenbilanz
  • Medaillenbilanz gegenüber 2025 fast halbiert – auch weil deutlich weniger STLV-Athleten am Start waren
  • SU Leibnitz (5), ATSE-Graz (3) dazu der KSV-Alutechnik, runningGraz, Omnibiotic Powerteam (je 1x) scheinen in der Medaillen-Bilanz auf
  • Der Sprungbereich ist aktuell nicht vorhanden (14 der 16 Sprungbewerbe wurden nicht besetzt)

Waren es zuletzt (2024+2025) sehr erfolgreiche Meisterschaften aus STLV-Sicht, so waren es dieses Mal „normale“ Meisterschaften, betrachtet man die Medaillenbilanz (4/3/1) bzw. (0/1/2). Unsere Top-Athleten Enzo und Karin (SU Leibnitz) und Goldhoffnungen „lieferten“, die wohl größte Überraschung brachte Carina Reicht (Omni-Biotic-Powerteam), die überlegen die 3000m der Frauen gewann und dabei den STLV-Rekord um 14 Sekunden verbesserte! Thomas Hollegger (runningGraz) verteidigte ebenso seinen Titel, auch wenn die Zeit deutlich über jener von 2025 war.

Am Ende waren es 4 Gold-, 3 Silber und eine Bronzemedaille in der Allgemeinen Klasse (2025 noch 7/3/7) und mit 8 gegenüber 17 Medaillen mehr als die Hälfte weniger! Eine Momentaufnahme, die mehrere Gründe hat. Einerseits waren nicht mehr alle Medaillengewinner von 2025 am Start (Willhuber, Touré, Garea, Pircher, ATSE-Staffel) und durch die Auflösung der Leistungsgruppe der LTU-Graz (4 Medaillen) kann das mitbegründet werden. Der späte Termin darf nicht als Begründung angegeben werden.

Allgemeine Klasse

In der Allgemeinen Klasse gab es sehr erfreuliche Leistungen im 60m Hürdenbereich: Nicht wegen der beiden Seriensiegern Karin Strametz und Enzo Diessl, sondern dass mit Isabelle Engel und Philipp Pichler auch die Vizemeister aus der Steiermark kommen! Gabriel Zand (LTU-Graz) lief trotz starker Bestleistung (8,26“) noch auf Platz fünf!

Beeindruckend aber der Hallenauftritt von Carina Reicht: Sie kam, lief und siegte – und wie: Nach 9:00,97 blieb die Uhr stehen, mehr als 12 Sekunden vor der Zweitplatzierten und über 14 schneller als der erst kürzlich aufgestellte STLV-Hallenrekord (Lotte Seiler 9:14,34). Ihre Ambitionen für die Freiluftsaison sind damit unübersehbar! 

Und last but noch least sollte der Staatsmeistertitel im 3000m Gehen durch runningGraz Athleten Thomas Hollegger erwähnt sein. Auch wenn er dieses Mal deutlich langsamer als seine Siegerzeit von 2025 war, für die Titelverteidigung reichte es allemal!

Karin Strametz verteidigte ihren Platz am 60m Podium mit neuer Bestzeit von 7,35sec – 0,02sec vom STLV-Hallenrekord (7,33/Alexandra Toth) entfernt! Ihre Formkurve zeigt ganz klar zur Hallen-WM in drei Wochen. Da wird sie dann als einzige STLV-Athletin am Start sein! Enzo zog seine Teilnahme trotz viermaliger Limit-Erbringung zurück! Begründung ist die Vorbereitung auf die Freiluftsaison mit dem klaren Ziel der EM in Birmingham!

Nicht ganz nach Wunsch mit einer Silbermedaille lief es für die Doppelmeisterin von 2025, Lotte Seiler! Die KSV-Alutechnik-Athletin verzichtete auf die Teilnahme am 3000m Lauf und wurde dann über 1500m von Caroline Bredlinger besiegt. Am Ende blieb die Silbermedaille mit 4:22,69 und klarem Vorsprung auf Platz drei.

Vierte Plätze schafften die KSV-Alutechnik-Männerstaffel über 4x200m (nur 0,1sec hinter der Bronzemedaille) und der run2gether-Athlet Lukas Novak über 3000m mit Bestzeit von 8:34,76

Resümee

Nur mehr 8 gegenüber 17 Medaillen 2025 sind die STLV-Bilanz (4/3/1) dieses Mal. Bedingt durch die aufgelisteten Gründe ist auch die Dichte hinter den Medaillenplätzen sehr gering (je 2x Platz 4 und 5 und 3x Platz 6)

Erwähnenswert, leider im negativen Sinne, ist die Tatsache, dass in der Allgemeinem Klasse in den acht Sprungbewerben KEIN einziger STLV-Athlet – männlich wie weiblich – am Start war!

Nachwuchs U18

Nach dem sensationellen 2024iger Jahr mit 12 (!) Medaillen (Triplegold Lenia Standfest, Triple Bronze Gabriel Bornemann) und dem Einbruch 2025 (1/1/1) war man erneut auf eine eher durchwachsene Meisterschaft vorbereitet!

Auch wenn keine Goldmedaille in die Steiermark kam, konnte die Medaillenbilanz mit 3 Medaillen gehalten werden! Erfreulich, dass Philipp Schwarhofer (ATSE Graz) nach seinem Mehrkampf-Silber nochmals angriff und mit Silber im Kugelstoß (13,97m/pB) und Bronze im Hochsprung (1,83m/pB) dies sehr erfolgreich tat! Gleich erfreulich das Comeback von Vereinskollegin Johanna Knaus (ATSE Graz), die über 400m souverän zur Bronzemedaille lief und dabei auch unter 60 Sekunden blieb (59,74s)! Damit gewann der ATSE Graz alle drei STLV-Medaillen!

Erfreulich waren die Ergebnisse im 60m Sprint der weiblichen U18, wo mit Milli Fritsch (Jg. 2012/LTU Graz) und Michelle Mayer (Jg. 2010/SU Leibnitz) die Plätze vier und fünf geschafft wurden, und von ATSE Graz Mittelstreckenläufer Niklas Tost, der über 800m als U16 Athlet sehr guter aber unbedankter Vierter wurde! Erfreulich auch die Leistung von Rabea Schwender (LAC Fitpoint Deutschlandsberg), die über 200m mit Bestzeit von 26,11sec tolle Fünfte wurde!

Insgesamt fehlt aber bei den aktuellen Jahrgängen 2009/2010 einfach die Dichte in nahezu allen Disziplingruppen! Leider ist das aber mittlerweile ein österreichweites Problem geworden! Sehr kleine Starterfelder in den meisten technischen Bewerben sind auch Ausdruck von fehlenden Ausbildungskonzepten und Trainern. Sicherheit in Anläufen, Selbstbewusstsein, Leistungsstärke und Leistungshärte bekommt man dann auch über eine gute Wettkampfserie, die viel zu wenig wahrgenommen wird! Dieses momentane Wellental wird wohl auch nicht so schnell vorbei sein. Hier sind wir alle gefordert, Aktivitäten zu entwickeln, mitzugestalten und umzusetzen!  Den der STLV stellte in insgesamt 21 der 53 Disziplinen (50 Einzel und 3 Staffeln) keinen Starter (männlich wie weiblich), Das sind immerhin 40%! Diesen Prozentsatz gilt es mittelfristig zu reduzieren um auch dann wieder im Medaillenbereich konkurrenzfähig zu werden!

Es kommt mit Sicherheit einiges an Potenzial im U14 Bereich nach, aber es braucht dann nicht nur Zeit und Geduld, sondern auch Konzepte, internes und externes Erfahrungswissen und motivierte Zusammenarbeit, um hier nachhaltig diese jungen Athleten zur Spizte zu führen! 

Fazit

Die STLV-Vereinsszene auf nationaler Ebene ist weiterhin sehr reduziert, unsere „Big Player“ ATSE, KSV-Alutechnik und SU Leibnitz schafften 8 der 11 Medaillen und sind national absolut konkurrenzfähig!

Wir müssen aber auch die generelle STLV-Gesamtentwicklung analysieren und die fällt dann schon zwiespältig aus! Das oft zitierte „Miteinander“ muss wieder mehr Gewicht bekommen, der Verband sind wir am Ende ja alle und nur im Team können wir die herausfordernde Situation mit Ideen, Konzepten und Motivation lösen! Auch wenn die Gesamtsituation österreichweit betrifft, wollen wir jetzt an Weiß-Grün denken und nach praktikablen Lösungsansätzen suchen!

Spannende, aber auch herausfordernde Zeiten warten auf uns alle!

Im Namen des STLV-Vorstandes möchte ich alle Athletinnen und Athleten, Trainerinnen und Trainern und alle am erfolgreichen Wochenende beteiligten Personen herzlich gratulieren und Karin für die nahende Hallen-WM bestmöglichen Erfolg wünschen!

Fotos Credit Alfred Nevismal für den ÖLV.
Titel: Karin Strametz; dann Enzo Diessl, Carina Reicht, Thomas Hollegger; Isabelle Engel, Philipp Pichler, Lotte Seiler, Philipp Schwarhofer, Johanna Knaus.

2. März 2026